PsychoHack: Perspektivenwechsel, warum wir bei schwierigen Entscheidungen oft feststecken und wie die "3-Sessel-Methode" hilft:
- hemmelmayr
- 15. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Kennst du das Gefühl, dich im Kreis zu drehen?
Du wägst ab, denkst nach, sprichst mit anderen Menschen, schläfst eine Nacht darüber – und trotzdem kommst du zu keiner Entscheidung.
Soll ich bleiben oder gehen?
Soll ich das Gespräch suchen oder es lieber lassen?
Soll ich den nächsten beruflichen Schritt wagen oder auf Sicherheit setzen?
Viele Menschen glauben, sie hätten zu wenig Informationen oder müssten noch länger nachdenken.
In Wirklichkeit liegt das Problem oft woanders: Wir betrachten die Situation immer aus derselben Perspektive. Dann wird Denken zur Endlosschleife.
Je wichtiger eine Entscheidung ist, desto häufiger versuchen wir, sie allein im Kopf zu lösen. Wir analysieren, wägen Vor- und Nachteile ab und führen innere Dialoge. Doch irgendwann beginnt sich alles zu wiederholen:
„Was, wenn ich die falsche Entscheidung treffe?“
„Was werden die anderen denken?“
„Vielleicht sollte ich noch warten.“
„Ich weiß einfach nicht, was richtig ist.“
Das Ergebnis: Wir fühlen uns blockiert, erschöpft und verlieren zunehmend den Zugang zu unserer eigenen Klarheit.
Oft fehlt nicht die Lösung – sondern ein neuer Blickwinkel.
Perspektivenwechsel eröffnet neue Handlungsmöglichkeiten.
In der systemischen Beratung gehen wir davon aus, dass Menschen nicht isoliert handeln. Wir bewegen uns in Beziehungen, Rollen und Erwartungen. Jede Entscheidung betrifft verschiedene Personen und unterschiedliche Bedürfnisse.
Wenn wir ausschließlich unsere eigene Sichtweise betrachten, entsteht schnell ein Tunnelblick. Ein Perspektivenwechsel hilft dabei,
Abstand zu gewinnen,
festgefahrene Denkweisen zu lösen,
neue Informationen wahrzunehmen und
wieder handlungsfähig zu werden.
Eine besonders einfache und wirkungsvolle Methode, basiserend aus der Organisationspsychologie ist dafür ist die 3-Sessel-Methode.
Die 3-Sessel-Methode: Klarheit durch drei Blickwinkel
Für diese Übung benötigst du lediglich drei Stühle oder Sessel.
Sie klingt fast zu einfach – und gerade darin liegt ihre Stärke.

1. Sessel: Meine Perspektive
Setze dich auf den ersten Sessel und beschreibe die Situation aus deiner Sicht.
Frage dich:
Was beschäftigt mich gerade?
Was denke und fühle ich?
Wovor habe ich Angst?
Was wünsche ich mir?
Was brauche ich wirklich?
Hier geht es darum, die eigene Perspektive bewusst wahrzunehmen – ohne sie sofort zu bewerten.
2. Sessel: Die Perspektive der anderen Person
Wechsle nun auf den zweiten Sessel und versetze dich in die Lage der anderen beteiligten Person. Das kann ein Vorgesetzter, eine Mitarbeiterin, der Partner, ein Kunde oder eine Kollegin sein.
Frage dich:
Wie erlebt die andere Person diese Situation?
Welche Bedürfnisse oder Sorgen könnte sie haben?
Was könnte ihr wichtig sein?
Welche guten Absichten könnten hinter ihrem Verhalten stehen?
Es geht nicht darum, die andere Person zu entschuldigen oder ihr automatisch recht zu geben. Vielmehr erweitert sich der Blick auf das gesamte System.
3. Sessel: Der neutrale Beobachter
Setze dich anschließend auf den dritten Sessel.
Stell dir vor, du wärst ein wohlwollender Beobachter – jemand, der die Situation mit Abstand betrachtet.
Frage dich:
Was fällt mir auf?
Worum geht es hier eigentlich?
Welche Muster erkenne ich?
Was würden beide Seiten möglicherweise übersehen?
Welcher kleine, konkrete Schritt wäre jetzt sinnvoll?
Häufig entsteht genau an diesem Punkt überraschende Klarheit.
Warum diese Methode funktioniert
Viele Menschen sind erstaunt, wie hilfreich diese einfache Übung ist. Die Erklärung dafür findet sich in verschiedenen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
1. Sie schafft innere Distanz
In belastenden Situationen verschmelzen wir oft mit unseren Gedanken und Gefühlen. Die räumliche Bewegung von einem Sessel zum anderen hilft dabei, Abstand zu gewinnen.
Die Forschung spricht hier von Selbstdistanzierung: Menschen treffen häufig ausgewogenere Entscheidungen, wenn sie ihre Situation aus einer Beobachterperspektive betrachten.
2. Sie aktiviert unterschiedliche Denkprozesse
Unser Gehirn reagiert auf körperliche Veränderungen. Das tatsächliche Wechseln des Platzes unterstützt den Wechsel der inneren Haltung.
Aus einem „Entweder-oder“ wird plötzlich ein „Was habe ich bisher noch nicht gesehen?“.
3. Sie erweitert die systemische Sicht
Systemische Beratung betrachtet Menschen immer im Zusammenhang ihrer Beziehungen und Rollen. Verhalten ergibt erst im jeweiligen Kontext Sinn.
Wer mehrere Perspektiven einnimmt, erkennt häufig Wechselwirkungen, Missverständnisse und bisher unberücksichtigte Bedürfnisse.
4. Sie führt vom Grübeln ins Handeln
Die entscheidende Frage lautet am Ende nicht:
„Was ist die perfekte Lösung?“
Sondern:
„Was ist mein nächster sinnvoller Schritt?“
Genau das macht die Methode so wirksam.
Warum einfach oft besser ist
Wir neigen dazu zu glauben, dass schwierige Probleme komplizierte Lösungen brauchen. Doch gerade in emotional belastenden Situationen helfen oft einfache, klar strukturierte Methoden.
Die 3-Sessel-Methode ersetzt keine tiefgehende Beratung, kann aber bereits in kurzer Zeit neue Einsichten ermöglichen und festgefahrene Entscheidungsprozesse in Bewegung bringen.
Mein Impuls für dich
Wenn du gerade vor einer schwierigen Entscheidung stehst, probiere diese Übung aus. Nimm dir zehn bis fünfzehn Minuten Zeit, stelle drei Sessel in den Raum und erlaube dir, die Situation aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten.
Vielleicht findest du nicht sofort die perfekte Antwort.
Aber sehr wahrscheinlich findest du den nächsten Schritt.
Und manchmal beginnt genau dort die Lösung.
Du steckst in einer beruflichen oder persönlichen Entscheidung fest und wünschst dir Klarheit?
In meiner Praxis nähe Linz begleite ich Menschen dabei, neue Perspektiven zu entdecken, innere Blockaden zu lösen und stimmige Entscheidungen zu treffen. Gemeinsam entwickeln wir Lösungen, die zu dir und deiner Situation passen. Gerne unterstütze ich dich auf diesem Weg. Michael




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